Das Rollenspiel: Ein Instrument, um das Sammeln und Entfalten der Äußerungen des Kindes zu reflektieren?

Das Rollenspiel als Instrument einer Forschung betrachten, die sich den Rechten des Kindes widmet? Corentin Boulay, Forscher an der Universität Lothringen und am CAPACITI-Projekt beteiligt, referierte zu diesem Thema im Rahmen der wissenschaftlichen Tagung der Französischen Gesellschaft für psychoanalytische Gruppenpsychotherapie.

Gruppenanalyse vor den Herausforderungen der Gegenwart

Am 20. und 21. März fanden in Perpignan die Wissenschaftstage der Französischen Gesellschaft für psychoanalytische Gruppenpsychotherapie statt. Im Mittelpunkt des Austauschs stand die Gruppenanalyse vor den Herausforderungen der Gegenwart. Diese ist in der Tat von einer diffusen Gewalt geprägt und kann den Einzelnen mit dem Verlust stabiler Bezugspunkte konfrontieren.

Den Fachleuten ging es dabei insbesondere darum, über den Begriff der Gruppe und der Gruppalität nachzudenken. Die Gruppe wird dabei in ihren vielfältigen Formen betrachtet:

  • Die Familie
  • Die Institution
  • Therapeutische und begleitende Maßnahmen

Die Geschichte hat uns gezeigt: Große theoretische und praktische Fortschritte in Bezug auf die Gruppe und die Gruppenzugehörigkeit sind oft im Kontext von Katastrophen entstanden. Unsere Zeit, die von tiefgreifenden Veränderungen geprägt ist (politische Krisen, Klimawandel, soziale Spaltungen, …), könnte in diesem Sinne Innovationen hervorbringen.

Zu den Referierenden, die sich mit diesen Fragen befassten und dazu Stellung nahmen, gehörte Corentin Boulay, Doktor der Psychologie und Forscher an der Universität Lothringen. Er hob hervor, dass im CAPACITI-Projekt der Begriff der Gruppe nach wie vor eine zentrale Rolle spielt.

Als Ort des Austauschs und der Begegnung ist sie das wichtigste Instrument, auf dem die Erfassung der Aussagen von Kindern und Jugendlichen basiert.

Das Rollenspiel als Forschungsinstrument

Corentin Boulay betonte, dass das Rollenspiel – ausgehend von fiktiven Situationen, in denen die Spielenden die Hauptfiguren sind – zwei Ziele erreichen kann:

Erstens, die Vorstellungen, Gedanken und Ideen von Kindern und Jugendlichen zum Thema Kinderrechte zu beleuchten. Das Spiel hilft ihnen dabei, auszudrücken, wie sie sich selbst und die Welt wahrnehmen, was es den Erwachsenen ermöglicht, die Jugendlichen, die sie begleiten, besser zu verstehen.

Zweitens führt das Rollenspiel zu echten „Erkenntnissen“. Beim Spielen verstehen die Spielenden die Komplexität und die Herausforderungen der Probleme, die sich aus den fiktiven Situationen ergeben, besser, und sie werden zu Akteur*innen, die sich diesen Fragen stellen müssen und kreative Antworten und Lösungen finden sollen; das Spiel hilft ihnen dabei, ihre Gedanken, Überlegungen und sogar ihre eigene Haltung zu den großen Problemen zu entwickeln, denen man im Alltag begegnen kann.

Obwohl das Rollenspiel eine erzählerische, spielerische und fiktive Erfahrung ist, basiert es auf echten Interaktionen und wirft Fragen auf, auf die die Gruppe in Echtzeit Antworten finden muss.

So ist das Rollenspiel nicht nur ein einfaches Spiel, sondern eine Fiktion, in der echte zwischenmenschliche Erfahrungen entstehen, die dazu beitragen, den Blick der Spielenden auf die Welt zu verändern und zu transformieren. Es ist ein Ort der Begegnung, des Hinterfragens und des Staunens, an dem das Verständnis für sich selbst und für den anderen entsteht.