Die Erhebung der Aussage des Kindes im gerichtlichen Kontext

Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention verpflichtet die Staaten, Kindern, die über die entsprechende Urteilsfähigkeit verfügen, das Recht einzuräumen, sich zu allen sie betreffenden Angelegenheiten frei zu äußern. Dieser Artikel sieht zudem vor, dass Kinder in gerichtlichen Verfahren angehört werden können. Dies war Gegenstand des Seminars am 20. März 2026.

Dank der Expertise verschiedener Referierenden konnten bewährte Verfahren, Überlegungen und Fragestellungen im Zusammenhang mit grenzüberschreitenden Fällen erörtert werden. Im Vormittagsteil des Seminars wurden vier Verfahren zur Anhörung von Kindern, die Opfer einer Straftat geworden sind, vorgestellt – für jedes Land der Großregion jeweils ein Modell.

Ein Beitrag von Sandra Golinveau (Pflegekraft im CPVS) und Mélissa Peiffer (Koordinatorin und leitende Pflegekraft).

Die Erhebung der Aussage des Kindes im gerichtlichen Kontext - Anhörung von Kindern als Opfer (Strafrecht) - Beispiel für eine Einrichtung in Belgien: Zorgcentra na Seksueel Geweld (CPVS)

Das Zentrum für die Betreuung von Opfern sexueller Gewalt in Arlon (CPVS Luxembourg) wurde im November 2023 eröffnet. Das Team – bestehend aus Pflegekräften, Hebammen, Psycholog*innen und Ärzt*innen – nimmt Betroffene sexueller Gewalt auf und arbeitet eng mit der Polizei sowie der Staatsanwaltschaft zusammen. Betroffene haben die Möglichkeit, bei spezialisierten Ermittlungsbeamt*innen (sog. „IVS“ – *inspecteur·rices violence sexuelle*) Anzeige zu erstatten. Minderjährige werden von speziell geschulten Beamt*innen (sog. „TAM“ – *inspecteur·rices TAM*) befragt. Die Aufnahme der Schilderung des Geschehens durch Minderjährige erfolgt auf eine spezifische Weise, die jeweils an die individuelle Situation angepasst wird.

Die Erhebung der Aussage des Kindes im gerichtlichen Kontext - Anhörung von Kindern als Opfer (Strafrecht) - Beispiel für eine Einrichtung in Frankreich: Familienschutzheim (MPF)

Die vorhandenen Räumlichkeiten und deren Nutzung, das bei diesen Befragungen angewandte Protokoll sowie die Schulungen, die den Polizisti*innen vermittelt werden.

Major Bettina Schuler ist seit September 2021 Leiterin des „Maison de Protection des Familles“ (Haus zum Schutz von Familien) in Metz, seit 2001 bei der Gendarmerie, seit 2020 für die Befragung von minderjährigen Opfern und Zeug*innen ausgebildet und seit 2021 als Multiplikatorin für die Befragung von Minderjährigen tätig.

Ein Beitrag von Mathilde Dumonceaux, stellvertretende Leiterin und ausgebildete Sozialarbeiterin.

Die Erhebung der Aussage des Kindes im gerichtlichen Kontext - Anhörung von Kindern als Opfer (Strafrecht) - Beispiel für eine Einrichtung im Großherzogtum Luxemburg: Das Nationale Zentrum für Opfer von Gewalt (CNVV)

Das „Centre National Pour Victimes de Violences“ (CNVV) ist ein neues, in Luxemburg einzigartiges Konzept (Eröffnung am 29. April 2025). Es bietet Opfern jeglicher Form von Gewalt – ob Erwachsene oder Minderjährige – einen zugewandten Empfang sowie eine ambulante Notfallversorgung.

Das multidisziplinäre Team bietet ein offenes Ohr, eine gezielte Weitervermittlung an die passenden Stellen sowie eine umfassende Betreuung in Zusammenarbeit mit weiteren Partner*innen. Dies stützt sich auf vier Säulen:

  • Psychosoziale Unterstützung
  • Medizinische Versorgung
  • Polizeiliches Eingreifen und Erstattung einer Strafanzeige
  • Rechtliche Information

Ein Beitrag von Dr. Eva Möhler; sie hat seit 2020 eine Professur inne und leitet die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie an der Universität des Saarlandes.

Die Erhebung der Aussage des Kindes im gerichtlichen Kontext - Anhörung von Kindern als Opfer (Strafrecht) - Beispiel für eine Einrichtung in Deutschland: das Childhood-Haus

Das Childhood-Haus Saarland (auch bekannt als Johanniter-Kompetenzzentrum für Kinderschutz) befindet sich in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des Universitätsklinikums Homburg.

Es handelt sich um ein Konzept der World Childhood Foundation, das sich der ambulanten Unterstützung von Kindern und Jugendlichen in der Region widmet. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf Kindern, die Opfer von tatsächlicher oder vermuteter körperlicher oder sexueller Gewalt geworden sind.

In dieser Einrichtung arbeiten Fachkräfte aus den Bereichen Medizin, Soziale Arbeit, Polizei und Justiz interdisziplinär zusammen. Dies ermöglicht es, die für die betroffenen Kinder und Jugendlichen erforderlichen rechtlichen Schritte in einem geschützten Umfeld einzuleiten – mit dem Ziel, die Belastung für die Betroffenen so gering wie möglich zu halten.

für die betroffenen Kinder und Jugendlichen in einem geschützten Umfeld, um ihnen so wenig Stress wie möglich zu bereiten.